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Predigt zurOsterfeier, 12./13. April 2020


“Argumente für die Auferstehung”

1.Kor.15,12-20

Ostern 2020

Wenn aber Christus gepredigt wird, dass er von den Toten auferstanden ist, wie sagen dann einige unter euch: Es gibt keine Auferstehung der Toten? Gibt es keine Auferstehung der Toten, so ist auch Christus nicht auferstanden. Ist aber Christus nicht auferstanden, so ist unsere Predigt vergeblich, so ist auch euer Glaube vergeblich. Wir würden dann auch als falsche Zeugen Gottes befunden, weil wir gegen Gott bezeugt hätten, er habe Christus auferweckt, den er nicht auferweckt hätte, wenn doch die Toten nicht auferstehen. Denn wenn die Toten nicht auferstehen, so ist Christus auch nicht auferstanden. Ist Christus aber nicht auferstanden, so ist euer Glaube nichtig, so seid ihr noch in euren Sünden; so sind auch die in Christus entschlafen sind, verloren. Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christus, so sind wir die elendesten unter allen Menschen.

Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind.


Liebe Schwestern und Brüder,

stellen Sie sich vor: Sie stehen an Ihrem Fenster, und plötzlich bemerken Sie eine Unruhe auf der Straße. Menschen laufen zusammen, sie legen ihre Köpfe zurück und schauen nach oben. Was genau da zu sehen ist, wissen Sie nicht, es ist Ihnen aus Ihrem Blickwinkel verborgen; vielleicht ist da jemand auf dem Dach oder ein Fesselballon schwebt vorüber. Jedenfalls irgendetwas muss da sein, denn die Menge da unten ist ganz aufgeregt, sie deutet darauf und redet darüber. Und einige Worte dringen zu Ihnen durch.

So ähnlich ergeht es uns, wenn wir zu verstehen versuchen, was Ostern bedeutet. Wir sehen nicht das Ereignis selbst. Aber wir sehen Menschen, die etwas gesehen haben, und das muss so aufregend gewesen sein, dass es ihr ganzes Leben verändert hat. Darüber reden sie, und alle sagen die gleiche Botschaft: Auferstehung! Jesus der Gekreuzigte ist von den Toten auferstanden, dafür sind wir Zeugen. Wir haben ihn gesehen!

Nun mag mancher fragen: Was geht uns das heute noch an, ob es diese Auferstehung wirklich geschehen ist? Schließlich können wir es ja nicht nachprüfen, dazu ist es zu lange her. Und man kann doch auch Christ sein, ohne an die Auferstehung Christi zu glauben. Positives Christentum, ich unterstütze das! Religion muss sein; damit unsere Gesellschaft nicht ihre Werte verliert. Aber Auferstehung? Dass da ein Toter wieder ins Leben zurückgekehrt sein soll: diesen mythologischen Restbestand, den lasse ich weg.

Paulus sagt: Überlegt euch, was ihr da tut. Wenn ihr die Auferstehung Christi leugnet, dann verliert ihr den ganzen Glauben. Dann gibt es kein Leben nach dem Tod, keine Vergebung der Schuld. Dann ist auch die Frage, ob es Gott gibt, wenn er Jesus nicht auferweckt hat. “Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christus, dann sind wir die Elendsten unter allen Menschen.”

So schreibt Paulus an die Gemeinde in Korinth. Offenbar gab es da schon damals Christen, die an der Auferstehung zweifelten. Nun bleibt aber Paulus nicht bei dieser Schilderung der Folgen stehen, sondern er bemüht sich, die Zweifler mit Argumenten zu überzeugen. Und es ist gut, dass wir uns einmal mit diesen Argumenten beschäftigen. Denn wir sollen ja unseren Glauben auch geistig verantworten und vor anderen begründen. Und es gibt Argumente für diesen Glauben. Der Historiker Wolfgang Schadewaldt hat sogar gesagt: “Die Auferstehung Jesu Christi ist das bestbezeugte Ereignis der gesamten Antike.”

Also: folgen wir mal Paulus und setzen uns mit den Kritikern und ihren Argumenten auseinander. Das sind nämlich teilweise heute die gleichen wie damals.

Da ist zunächst das historische Argument, das geht ungefähr so: Seit der Kreuzigung Jesu sind ja nun fast 2000 Jahre vergangen. Woher sollen wir denn wissen, was damals wirklich passiert ist?

Das ist also das Problem mit dem sogenannten “garstigen Graben der Geschichte”, der uns von dem Ereignis trennt. Ein Problem, das ganz allgemein jeder Historiker hat. Woher sollen wir z.B. wissen, ob Caesar wirklich gelebt hat, Krieg gegen die Gallier geführt hat und im Jahr 44 v. Chr. ermordet worden ist? Wir können da ja nicht hinfahren und das nachprüfen. Und trotzdem würde kein Historiker auf die Idee kommen, daran zu zweifeln, dass es Caesar gab. Das liegt an den Quellen, die man aus dieser Zeit hat. Caesar hat den Bericht über den gallischen Krieg selbst geschrieben, zumindest trägt er seinen Namen. Und es gibt Historiker, die über ihn berichtet haben, zum Beispiel Tacitus. Als Tacitus lebte, war Caesar übrigens schon gut 100 Jahre tot. Das heißt, der hat auch nicht aus eigener Anschauung berichtet, sondern hat Berichte von Zeitzeugen gesammelt.

Auch Jesus kennen wir nur anhand von Quellen. Eine dieser Quellen stammt übrigens von Tacitus, der ihn allerdings nur vom Hörensagen kennt, jedenfalls hält er Christus für einen Eigennamen. Aber die wichtigsten Quellen stammen natürlich von Christen, aus den Paulusbriefen und von den Evangelisten. Verständlicherweise, denn die waren natürlich daran interessiert, das Leben Jesu festzuhalten. Und besonders seine Auferstehung. Das ist der sogar Kern der Botschaft in den Evangelien, sonst hätte man sie gar nicht erst geschrieben. Wenn man das weglässt, ist das Neue Testament weg.

Nun gibt’s ein zweites Argument; das geht etwa so: Dass die Auferstehung durch das Neue Testament bezeugt wird, ist ja schön und gut. Aber wann ist das Neue Testament denn geschrieben worden? Das war doch lange nach der Kreuzigung! Als man das aufgeschrieben hat, konnte das doch keiner mehr nachprüfen!

Es geht also um die Frage der Augenzeugen. Das ist ein Argument, mit dem sich auch Paulus schon auseinandersetzen musste. Allerdings ist Paulus in einer besseren Position. Denn als er den ersten Korintherbrief schreibt, um das Jahr 55 nach Christus, da gibt es noch Zeugen der Auferstehung, die Paulus auch kurz vorher im Einzelnen nennt: Petrus, Jakobus, die übrigen 12 Apostel sowie „500 Brüder auf einmal, von denen die meisten noch leben.” Typisch Paulus übrigens, dass er nur die Männer nennt, denn einige Frauen haben den Auferstandenen ja laut den Evangelien auch gesehen, sogar als Erste. Aber damals zählten nur Männer als ernsthafte Zeugen, das ist in manchen Kulturen bis heute so. Also lässt Paulus die Frauen weg.

Aber da sind jedenfalls eine Menge Augenzeugen, die man zu diesem Zeitpunkt auch noch befragen kann, denn da liegt die Auferstehung erst 25 Jahre zurück. Überlegen wir mal: Vor 25 Jahren, das war für uns 1995. Damals war ich während der Osterferien mit meiner Familie in Cornwall. Ich weiß noch, dass da schon die Osterglocken blühten. Ich habe auch noch die enge Straße vor Augen, die zu diesem Haus an der Küste führte. Und ich bin ganz sicher: wenn mir damals ein Totgeglaubter lebendig begegnet wäre, das wüsste ich bis heute ganz genau.

Und dann kommt oft ein drittes Argument ins Spiel, das psychologische. Das geht so: Na ja, Zeugen schön und gut, aber was waren denn das für Leute? Das waren doch seine eigenen Jünger! Die mussten doch so reden, die steckten doch alle unter einer Decke! Die konnten doch nicht zugeben, dass sie gescheitert waren. Also haben sie die Geschichte von der Auferstehung erfunden! (Das stimmt natürlich auch nicht so ganz, einer steckte ganz bestimmt nicht mit ihnen unter einer Decke, das war Paulus selbst. Der hat sogar Christen verfolgt und erst damit aufgehört, nachdem er Jesus selbst erlebt hatte, zwei Jahre nach der Kreuzigung. Aber lassen wir uns mal auf dieses Argument ein und versuchen, uns in die Lage der Jünger zu versetzen).

Da gibt es also in Jerusalem eine Gruppe von Männern und Frauen, die haben ihren Messias verloren. Der, auf den sie ihre ganze Hoffnung gesetzt hatten, der ist gekreuzigt worden. Das sind auch keine besonders mutigen Leute; die Männer sind gleich bei seiner Verhaftung geflohen, nur einige Frauen haben sich getraut, unter dem Kreuz zu stehen. Aber die Stimmung ist ganz unten. Alles läuft auseinander; mag sein, dass die Römer noch immer nicht genug haben und versuchen, auch noch die restlichen Mitglieder dieser Bewegung zu verhaften. Und dann passiert etwas Merkwürdiges: die gleichen ängstlichen Leute kommen auf einmal aus ihrem Versteck heraus und beginnen, öffentlich zu predigen. Und sagen: Auferstehung! Er ist wahrhaftig auferstanden! Und sind so überzeugend, dass sich ihre Botschaft in wenigen Jahrzehnten quer durch das Römische Reich verbreitet. Und das hört auch dann noch nicht auf, als man sie anfängt, sie für ihren Glauben zu verfolgen verfolgt und zu töten.

Das hieße also: sie sterben für einen Glauben, den sie sich selbst ausgedacht haben? Sie gehen freiwillig in den Tod, obwohl sie wissen, dass es die Auferstehung gar nicht gibt? Wer das glauben kann, den beneide ich um seinen Glauben. Die biblische Version scheint mir da logischer.

Natürlich gibt uns das keinen letzten Beweis für die Auferstehung. Irgendwann kommt für jeden von uns die Stunde, in der wir noch einmal vor dieser Frage stehen werden, weil es dann um unsere eigene letzte Hoffnung geht. Die Antwort muss jeder für sich finden, und das geht nicht mit Argumenten, das kann nur persönlich erfahren. Aber eben das ist ja die Botschaft des Neuen Testamentes, dass Christus der Lebendige ist und damit bis heute erfahrbar ist.

Letzte Gewissheit werden wir erst finden, wenn wir ihn sehen. So lange kann ich noch warten. Amen.

Pastor Harald Bartling

haraldbartling@gmail.com

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